Die Developer Previe von OS-X Lion hat ahnen lassen, was Anwender in Zukunft ertragen müssen. Leider ist’s dann auch so gekommen. OS-X Lion ist unter der Haube durchaus kein verachtenswertes Update des Apple-Betriebssystems – das aber, was sich bei der Benutzeroberfläche und den mitgelieferten Apps getan hat, schockierte mich doch teilweise sehr.
Klar wird beim Blick auf die Feature-Liste von OS-X Lion aber sofort, wohin die Reise mittelfristig geht: OS-X und iOS werden zu einer einzigen Plattform verschmelzen. Nur so ergeben die Neuerungen einen strategischen Sinn – denn für den Anwender eines klassischen Desktop-Computers bringen einige der Neuerungen wie z.B. Launchpad, AirDrop oder auch der Fullscreen-Modus nur geringe Vorteile.
Launchpad beispielsweise bieten gegenüber einem normalen Shortcut oder einem Dock-Stapel bei Maus- oder tRackpad-Nutzung keine signifikanten Verbesserungen – wer jedoch einen Computer per Finger und Gesten bedient, wird sich drüber freuen. Ein Fullscreen-Modus, so wie er derzeit in Lion integriert ist, ist wunderbar im Ein-Bildschirm-Umfeld. Wer zwei oder mehr Displays verwendet, wird das kaum häufig nutzen (wollen) – auch sonst ist die Handhabung mir eher sperrig aufgefallen. AirDrop ist in Aufmachung und Szenario auch im hochmobilen und schnittstellenarmen Umfeld anzusiedeln und dort auch sehr nützlich – am klassischen Desktop wird man wohl USB, Netzwerk & Co. bevorzugen.
Vermuten kann man, dass mittelfristig auch Desktopgeräte von Apple mit Multi-Touch-Technologie auf den Markt kommen. Geradezu prädestiniert dafür wäre konzeptionmell der iMac – wenngleich die Kostenseite an dieser Stelle ein spannender Punkt wäre. Der iMac bietet sich deshalb an, weil er einerseits ein All-In-One-Gerät ist und andererseits wunderbar über einen entsprechenden Neigeständer vom Desktop zum Touchpad wird. Aber auch im Laptop-Bereich ist dieser Evolutionsschritt nicht undenkbar.
Enttäuschend finde ich den kindischen und keinesfalls nützlichen Versuch von Apple, fotorealistische Oberflächen für iCal und das Adressbuch einzuführen. Diese Oberflächen ergeben keinen Sinn, nerven mit nutzfreien Animationen und überhaupt war es schon vor 20 Jahren nicht Best-Practice, das Aussehen physischer Gegenstände auf Computer-Software zu übertragen: Unterscheidet sich doch die Handhabung zu signifikant und führt genau das doch in der Regel zu Problemen am Computer – und genau so empfinde ich das hier. Absolut retro, absolut anti-lean.
Unter der Haube hat Apple jedoch einiges getan. Erwähnenswert sind dabei FileVault 2, die neuen Privacy- und Malware-Schutzmechanismen, Versionen. Auch die integrierte Reparatur-Partition ist ein erheblicher Fortschritt.
Vorsichtig sollte man aber unabhängig von Vor- und Nachteilen sein, wenn man spezielle Software (Musikproduktion, Videoschnitt etc.) einsetzt oder bestimmte Hardware nutzt. Hier empfiehlt es sich vor dem Upgrade bei den jeweiligen Herstellern die Kompatibilität zu klären. Natürlich ebenfalls wichtig: Backup! Beginnen Sie auf keinen Fall ein Upgrade ohne vorher ein Backup ihres Rechners angefertigt zu haben!

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