Studio Update

Vor einigen Wochen habe ich damit begonnen, mein kleines Heimstudio auf einen erträglichen Stand zu bringen. Zum neuen Equipment auf der Hardwareseite zählen ein Presonus Faderport, ein Korg padControl und ein Edirol PCR 500. Softwareseitig wurde auch modernisiert. Zu Propellerhead Reason 4 gesellt sich nun auch ein Cubase Studio und Logic Studio von Apple.

Auf Klangseite habe ich durch Native Instruments Complete Synths etwas zugelegt – zusätzlich zu den “Dreingaben” des padControl von Korg (Ultra Analog Session, Pianoteq Lite, Lounge Lizard und m1 LE). Alles in allem also eine recht “brauchbare” Ausstatung für die Produktion elektronischer Musik.

Cover Entwurf für Bam Bam

Sequencer

Mit Cubase Studio bin ich allerdings nicht wirklich glücklich. Zwar hat es ein paar nette Features (z.B. die Arranger-Spur), dafür nerven aber der Dongle, die im Vergleich zu Logic Studio schlechtere Performance und das mittlerweile wenig kreative und zum Teil (aus Musikersicht) unproduktive Bedienkonzept. Meiner Meinung nach klingt Cubase Studio auch etwas steriler als Logic – kann aber auch Einbildung sein.

Neben der m.E. besseren Klanqualität und der angenehmeren Benutzeroberfläche glänzt das neue Logic Studio auch mit anderen Werten: Satte 1.500+ Seiten Dokumentation liefert Apple mit, ein Dongle ist nicht mehr erforderlich und zusätzlich zu den 7 DVDs der Software gesellt sich eine 8. DVD mit Demonstrationsmaterial – dabei handelt es sich um reale Produktionen, nicht um fiktive Demos, die speziell für Logic produziert worden sind.

Satte 5 Kilogramm bringt das Paket von Apple auf die Waage. Steinberg hat neben einem billigen Schuber aus dünnem Karton lediglich ein labberiges Heftchen beigepackt – gedruckte Dokumentation kann extra dazu kaufen (gut, vielleicht ist das nur bei dem Competitive Upgrade so, welches ich erworben habe).

Funktional unterscheiden sich die beiden Kontrahenten ebenfalls. Während Cubase Studio so etwa das Mittelsegment der Sequencer-Serie von Steinberg bedient, handelt es sich bei Logic um ein ausgewachsenes Paket mit einer schier unglaublichen Menge an Dreingaben: Software für den Live-Einsatz (MainStage), für die professionelle Nachvertonung von Filmen (Soundtrack Pro), das Brennen von Audio-CDs (Waveburner), über 18.000 Loops und Sounds, diverse Software-Instrumente, volle Surround-Fähigkeit, fertige Kanal-Presets für den Mischer usw. Da kann Cubase Studio, welches sich regulär etwa in der gleichen Preiskategorie bewegt, kaum mehr beeindrucken.

Allerdings fordert Logic bei der Vielfalt auch Tribut: Rund 50 GByte Platz werden bei Vollinstallation auf der/den Festplatte(n) benötigt – immerhin können Teile der Installation auf externe Platten ausgelagert werden.

Klanglich kann ich schon jetzt sagen, dass sowohl Cubase als auch Logic hervorragend klingen – wenngleich ich den Klang von Logic subjektiv als musikalischer empfinde. Gegenüber dem, was gewöhnlich mit Reason erreicht werden kann, kann man leicht von einem Quantensprung sprechen. Reason lässt sich übrigens in beide Programme (Logic und Cubase) via Rewire einbinden. In Cubase ist das ein Krampf, in Logic geht es etwas besser.

Software Synthesizer

Pionateq Lite, Lounge Lizard Session, Ultra Analog Session und m1 LE lasse ich weitgehend außen vor. Nur soviel: Pionteq simuliert Pianos u.ä. auf Basis von physikalischer Modellierung. Klingt nicht so beeindruckend, wie der Imperial der Vienna Symphonic Library oder der brauchbare Steinberg The Grand. Lounge Lizard Session und Ultra Analog Session haben Probleme mit der Benutzeroberfläche, wenn sie in Logic genutzt werden (also als AU-Modul) – klingen aber ausgesprochen gut. m1 LE ist eine nette Dreingabe – aber klanglich nicht mehr beeindruckend.

Nun aber zur den Complete Synths von Native Instruments: Zunächst ist man durch die große und stabile (aber leider schlecht bedruckte) Packung beeindruckt. Nach dem Öffnen folgt zwar erst einmal etwas Ernüchterung – bei genauer Betrachtung ist aber alles da: Handbücher, Seriennummer, DVD. Wunderbar! Nach der Installation ist allerdings erst einmal Updaten angesagt. Bei mir waren das immerhin fast 350 MByte. Enthalten sind im Paket Absynth, FM8, Massive und Pro-53. Somit hat beinahe alle gängigen Synthesearten zur Verfügung.

Die Klangqualität der Synthesizer ist gut. Leider überzeugen mich aber die mitgelieferten Presets nicht. Die sind auf “Show” getrimmt und fast durchgängig mit zahlreichen Effekten gespickt. Solo gespielt klingen sie gut, im Arrangement sind sie mir zu “Overdressed”. Daher ist mein erster Handgriff derzeit die Abschaltung aller Effekte der Presets oder der Start ohne Preset mit eigenen Sounds. Dann jedoch sind die Synthesizer mächtig und unglaublich gut – leider auch sehr hungrig auf CPU-Leistung. Das Paket war letztlich sein Geld wert.

Controller

Der Presonus Faderport ist eine kleine Steuerzentrale für Sequencer. Er bietet einen (hervorragenden!) Motorfader und eine Reihe beleuchteter Tasten zur Steuerung des Sequencers sowie ein Endlos-Potentiometer für Panorama-Einstellungen (leider ohne LED-Kranz). Die Verarbeitungsqualität ist insgesamt als sehr gut zu bezeichnen. Der Faderport ist in einem grundsoliden grau-schwarz lackierten Metallgehäuse untergebracht. Die Mikroschalter und den Tasten sind mir etwas zu schwergängig und zu laut – aber sie machen einen ebenfalls soliden Eindruck (wenngleich sie etwas viel Spiel haben). Highlight des Faderport ist jedoch der eingebaute ALPS-Motorfader, der extrem hoch auflöst, schnell und fast lautlos reagiert sowie jede Änderung sensibel überträgt. Ein hervorragendes und sehr platzsparendes Helferlein – der Faderport spart einige Mauskilometer.

Das KORG padControl ist ein Eingabegerät mit 16 anschlagdynamischen und beleuchteten “Pads” (so eine Art größerer Hartgummitaste). Man benutzt solche Geräte z.B. um Rythmusspuren einzuspielen oder Samples (also aufgenommene Klangphrasen) leicht und einfach ansteuern zu können. Nach längeren Überlegungen habe ich mich nicht für den Marktführer, den Akai MPD 24, sondern das Produkt von Korg entschieden, weil es neben den m.E. sensibleren Pads auch eine Art Touchpad besitzt, mit dem zwei beliebige Parameter gleichzeitig mit einem Finger gesteuert werden können. Außerdem ist die Beleuchtung in dunkleren Räumen hilfreich. Leider ist die Verarbeitung – sagen wir mal – dürftig. Sie erinnert ein wenig an einen umgeformten Joghurtbecher: Ein weißes und nicht allzu kräftiges Plastikgehäuse mir spiegelnder Plastikintarsie. Nunja.. Bünentaugliches Equipment ist besser verarbeitet. Davon abgesehen ein nützliches Werkzeug – auch beim Remixen.

Das Edirol PCR500 ist eine sog. “eierlegende Wollmilchsau” unter den Keyboards. Es bietet neben einer 49er Klaviatur mit Tasten in voller Größe nicht nur Aftertouch, sondern auch über 50 frei belegbare (und mit entsprechender Software automatisch belegten) Controllern. Dazu gehören Potentiometer, normale Fader, Taster, Pads und sogar ein Crossfader. Gewöhnungsbedürftig finde ich den Joystick, der Modulation und Pitchbend kombiniert. Die Klaviatur bietet ein recht angenehmes Spielgefühl- sie ist weder zu “labberig” noch zu “fest”. Der Aftertouch ist allerdings eine kräftezehrende Angelegenheit – da muss man schon ordentlich drücken. Unangenehm ist mir ein ganz leises kratzendes Geräusch bei den Tasten kurz nach dem Anschlag aufgefallen. Abgesehen davon ein sehr gutes Spielgefühl gemessen am recht günstigen Preis. Das Gehäuse besteht aus schwerem und angemessen starken Kunststoff. Die Regler sind ausreichend stabil ausgelegt. Leider sind die Potentiometer nicht als Endlosdrehregler ausgelegt und ein LED-Kranz fehlt außerdem.

Fazit

Neben dem immer schmerzlichen monetären Aspekt und dem Fehlkauf (Cubase Studio) bin ich sehr zufrieden mit dem Equipment. Allerdings erfordert so viel neue Software auch eine Ein- bzw. Umgewöhnung und eine Umstellung der “alten” Workflows. Zu passender Gelegenheit werde ich meine Erfahrungen hier veröffentlichen und auch die einen oder anderen Hörbeispiele zum Download anbieten.

Unter anderem mache ich mich an eines meiner “Sorgenkinder” ran – ein kleiner Track, der mit Reason erstellt wurde und der nicht nur dumpf klingt, sondern auch an anderen Stellen Nacharbeit dringend nötig hat.

Den “originalen” Track, direkt aus Reason als MP3 exportiert, habe ich als kleines “Extra” an diesen Beitrag angehängt. Die private, nicht-kommerzielle Nutzung ist in Ordnung – alles was darüber hinaus geht bedarf aber meiner schriftlichen Zustimmung.

Download

Bam Bam – Originalversion aus Reason 4.0

Trackbacks

  1. [...] bereits im ersten Teil angekündigt, arbeite ich mich mit einem meiner “Sorgenkinder” in mein neues Equipment [...]

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