iTunes Videos teuere Bauernfängerei?

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Als ich die Ankündigungen erstmalig gelesen hatte, fand ich die Idee von Video-Downloads via iTunes reizvoll. Aktuelle Filme bequem und ohne Kassenwarteschlangen aussuchen, bezahlen und ansehen. Bei TV-Serien und Videopodcasts hat das bisher ja auch ganz gut funktioniert und die Übertragung auf mein iPhone war meist auch problemfrei möglich.

Nun, wo das Angebot Realität ist und ich mich eingehender damit befasst habe, finde ich die Idee, dort einzukaufen, ziemlich bescheuert. Dabei liegt das weniger an der Auswahl, als vielmehr an der unattraktiven Preisgestaltung und den extremen Einschränkungen, die dieser Vertriebskanal mit sich bringt.Um ein Beispiel dafür zu liefern, was ich als unattraktiv bewerte, nehme ich den aktuellsten Teil aus der James Bond-Reihe mit dem Titel “Ein Quantum Trost”. Dieser soll als 1,51 Gigabyte-Download bei iTunes 13,99 EUR kosten. Dafür bekommt man den Film, die deutsche Tonspur und – sofern man ein wenigstens 300 EUR teures Apple-TV besitzt – HD Auflösung. Es gibt keine Originaltonspur, kein HD am Computer, keine Zusatz-Features, keine Möglichkeit, den Film auf eine normale DVD für den Stand-Alone-Player zu brennen, keine Nutzbarkeit außerhalb von iTunes. Jedoch hat man während des großen Downloads bei üblichen DSL-Geschwindigkeiten genug Zeit, sich ein Abendessen zuzubereiten und zu essen.

Bei Amazon hingegen bekommt man die Special Edition im 2-Disc Wende-Steelbook für 7,95 EUR (Stand 16.07.2009). Die läuft zwar dann nicht auf Apple TV und bietet garantiert kein HD, dafür kommt sie aber mit Originaltonspur, Untertiteln in 8 Sprachen und reichlich Zusatzmaterial daher. Zudem läuft sie auf jedem handelsüblichen DVD-Player oder Computer und ist nicht an eine bestimmte Software gebunden.

Aber vielleicht ist da ja eine Ausnahme und gerade dieser Film war eben zu teuer? Weit gefehlt! Nehmen wir den Film “Sieben Leben” – ein Drama mit Will Smith und Rosario Dawson. Bei iTunes gibt es die mit oben genannten Einschränkungen versehene und 1,61 GByte große Downloadversion für 13,99 EUR. Bei Amazon kostet die DVD mit Originaltonspur und Untertiteln in 3 Sprachen sowie etwas Drumherum nur 7,99 EUR (Stand: 16.07.2009).

Gut… Das sind ja auch alles relativ neue Filme. Vielleicht ist da iTunes etwas übers Ziel hinaus geschossen und Amazon stapelt tief, um Umsätze zu generieren? Aber auch hier geht die Rechnung nicht auf! Alte Filme z.B. von Eddie Murphy (Glücksritter, Nur 48 Stunden etc.) kosten bei iTunes i.d.R. nicht weniger als im Laden um die Ecke – sind aber deutlich kräftiger eingeschränkt.

Aber man muss ja bei iTunes auch nicht gleich kaufen – man kann ja auch leihen. Die Idee ist für sich genommen gar nicht mal so schlecht. Aber die Ausführung aus meiner Sicht dann doch recht fragwürdig. So kann man sich Filme im Mittel für 2,99 oder 3,99 EUR für 48 Stunden ausleihen und sie in diesem Zeitraum so oft sehen, wie man will (wer will einen Film mehrfach direkt hintereinander sehen? Aber naja… Solls ja geben…). Dennoch muss man sich den Film erst herunterladen – und das dauert dann eben je nach DSL-Paket, Last und Wetterlage für im Schnitt 1,5 GByte etwas länger.

Da stellt man sich die Frage, was dieses Angebot eigentlich soll? Eine mögliche Deutung wäre, dass man mit dem Angebot das ansonsten recht nutzwertarme und teuere Apple-TV incentivieren will – dafür spräche, dass zumindest in Deutschland die HD Versionen derzeit nur mit diesen Gerät genossen werden können und man sonst auch nicht viel mit dem Gerät anfangen kann. Außerdem müllt es auf Dauer dann doch stark die Rechnerfestplatten voll, wenn man nennenswerte Mengen an Filmen aus diesem Store herunterladen sollte.

Preis und Komfort sind jedoch beim Angebot von Apple sicher kein Kaufargument. Dafür sind die Produkte zu stark eingeschränkt (nicht nur rechtemäßig), sondern im Vergleich zu klassischen Versendern oder dem Laden um die Ecke zu teuer: Für einen Download, der etwas Platz auf einer großen Server-Festplatte und ein “Quantum Bandbreite” erfordert, den gleichen Preis zu verlangen, wie für eine DVD.Box, die hergestellt, transportiert, gelagert, versendet, ausgepackt, aufgestellt werden muss, ist fragwürdig. Zum Teil aber beinahe den doppelten Preis zu verlangen, aber deutlich weniger zu liefern und mehr zu gängeln, kann man meiner Meinung nach bestenfalls als “grob daneben” bezeichnen – mir fallen dafür aber auch deutlich kernigere und deutlichere Worte ein.

Apple wäre gut beraten, entweder die Preise drastisch zu senken (damit meine ich eine Halbierung und in einigen Fällen auch eine Reduzierung um 2/3) oder aber die Nutzungsbedingungen deutlich attraktiver zu gestalten (wobei ich an Brennbarkeit, Originaltonspuren und HD am Computer denke). Kommt das nicht, würde mich ein Erfolg dieses Angebotes in Deutschland stark überraschen.

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Comments

  1. Tobi says:

    Die Preise sind natürlich echt ein Witz wenn man sie mit den Kauf-DVDs z.B. bei Amazon vergleicht.

    Das Irre daran ist jedoch: Ich habe dann gerade mal geschaut was der Film “Sieben Leben” z.B. bei videoload.de kostet und das ware es doch satte 15,99€. Also noch teurer als Apple und die sind ja schon für ihre Apothekenpreise bekannt.

    Keine Ahnung warum die Filme nur so teuer angeboten werden, aber ich würde doch annehmen, daß wenn es auch günstiger gehen würde schon längst einer auf die Idee gekommen wäre die üblichen Marktpreise zu unterbieten.

    Ich denke, das wird sich mit der Zeit alles einstellen. In ein oder zwei Jahren werden sich die Preise wohl auch auf ein vernünftiges Niveau einpendeln. Andernfalls kann man nur sagen: Wer zu dem Preis kauft ist selbst schuld.

    Grüße,
    Tobi

    • El Cheffe says:

      Hallo Tobi,

      natürlich klingt es etwas nach “Verschwörungstheorie” – aber mir drängt sich der Verdacht auf, dass digitale Filme absichtlich teuer gehalten werden, um die Nachfrage in andere Bahnen zu leiten. Die Filmindustrie tut sich – ebenso wie die Musikindustrie – schwer damit, neue Vertriebskanäle und kulturelle Veränderungen, die das Internet maßgeblich mit beeinflusst, zu verstehen und effizient zu nutzen: Zu sehr stehen Gier und Angst vor Raubkopien im Vordergrund – tiefes Misstrauen gegenüber potenziellen Kunden prägt das gesamte Geschäftsgebaren dieser Branchen.

      Erschwerend kommen die relativ hohen Anforderungen an die Bandbreiten der Server-Infrastruktur hinzu. Während Musikdaten relativ kompakt sind und schnell nach dem Kauf auf den jeweiliegen Rechner landen, sind Video-Daten recht fett und damit dauern die Downloads länger. Längere Downloads blockieren länger verfügbare Bandbreite der Server (Netzwerkanbindungen sind hier ein stark limitierender Faktor) – folglich muss in die Server-Infrastruktur ordentlich investiert werden.

      Jedoch muss das aus Kundensicht natürlich unbeachtet bleiben – ein digitaler Film, dem die Originaltonspur und die Extras fehlen, der nicht auf eine normale DVD gebrannt werden kann und der nur auf teurer Spezialhardware in HD gesehen werden kann, ist meiner Meinung dann zu teuer, wenn er mehr als die Hälfte des Preises kostet, den man für die physische Ausgabe berappen muss.

      Grüße,

      Axel

  2. Fabian.knoerr@med.un says:

    stimmt voll und ganz was die preise für gekaufte filme angeht: VIEL zu teuer.
    für die geliehenen filme stimmt das aber nicht so ganz. der preis ist zwar etwas hoch, aber ok. in den videotheken hier kostet ein film für einen kalendertag 1€ (also effektiv mindestens 2).
    für den höheren komfort und die größere auswahl (bei itunes ca. 1000 Titel) ist der preis dann nicht billig aber immerhin konkurenzfähig

    • El Cheffe says:

      Hi,

      naja. Das mag von Ort zu Ort sicher unterschiedlich sein. Auch wird man mit einer 16 MBit-Flatrate vielleicht das Datenvolumen nicht so eng sehen. Auf der anderen Seite sollte man dies aber dennoch mit in die Bilanz aufnehmen: Vor dem Schauen steht das Laden (fall es stimmt eben das Streamen). Und das Schauen setzt entweder voraus, dass man sich vor den Computer setzt oder aber Besitzer eines Apple TV ist. Natürlich muss das jeder für sich entscheiden – für mich ist das in dieser Form noch kein gutes Geschäft. Meiner Meinung nach dürften die Preise für Neuerscheinungen 2,49 EUR nicht überschreiten.

      Grüße,

      Axel

  3. Till says:

    Kaufen ist natürlich Quatsch, leihen ist schon ok. Wenn ich denke, wie mässig sortiert meine Eckläden sind und wie viel ich schon nachgezahlt habe, weil zu spät zurück…

    Das mit den Tonspuren ärgert aber wirklich.

    Wenn man im US-Store leiht, sieht das aber alles wieder ganz anders aus: Viel größere Auswahl, original, okaye Preise und Filme, von denen wir hier noch nichts gehört haben!

    • El Cheffe says:

      Hallo Till,

      das problem mit dem US-Store ist, dass dort nicht jeder einkaufen kann. Man benötigt eine Adresse in den Staaten nebst entsprechender Kreditkarte. Sind diese Hürden genommen, steht aber in der Tat eine größere Auswahl zur Verfügung. Nur sind auch dort die Preise zuweilen sehr “ambitioniert” gestaltet.

      Grüße,

      Axel

  4. Gehirnmensch says:

    Du hast eine der wichtigsten Einschränkungen vergessen: DVDs kann man ohne Probleme zu Freunden mitnehmen und dort bei einem Filmeabend gucken. Kaufe ich bei Apple, muss ich statt einer DVD-Hülle gleich meinen Rechner oder mein AppleTV durch die Gegend schleppen. Und jemandem einen Film ausleihen geht auch nicht…

  5. Florian says:

    Kann ich alles nachvollziehen. Vor allem die zusätzlichen Tonspuren sind ein gutes Argument pro DVD.

    Einige unqualifizierte Bemerkungen:

    - Apple behauptet, dass man sich die Filme auch während des noch laufenden Downloads anschauen kann.

    -man braucht nicht AppleTV UND Computer, man kann AppleTV als eigenständiges Gerät nutzen. Könnte in manchen fällen also den Kauf eines Computers sparen.

    - Die Beschränkungen der HD-Filme sind eine brillante idee der Filmindustrie um ihren wertvollen Content zu schützen. Anscheinend nicht nur vor bösen Piraten, sondern auch vor den Augen ehrlicher Käufer

    • El Cheffe says:

      Hallo,

      so unqualifiziert sind die Kommentare gar nicht.

      Richtig ist, dass Sie Filme während des Downloads ansehen können, sofern ihre Anbindung ans Internet schnell genug ist.

      Richtig ist, dass Sie das Apple TV auch ohne Computer betreiben können. Allerdings ist dann beim aktuellen Model einerseits nur noch das Leihen von Filmen im iTunes-Store möglich und andererseits ist der Shop mehr als unübersichtlich gestaltet. Letztlich werden die vielen Sparangebote nicht angezeigt – lediglich der Film der Woche.

      Die Sache mit den HD-Filmen war in erster Linie ein Versuch, Anwendern das damals überteuerte Apple TV schmackhafter zu machen. Mittlerweile hat sich die Situation gottlob gebessert. Allerdings ist die Preispolitik noch immer in weiten Teilen fragwürdig.

      Cheers…

  6. Daniel Seidl says:

    Hallo,

    ich sehe vielmehr das Problem, dass die Auswahl an Filmen im Store einfach noch nicht groß genug ist, v.a. von Leihfilmen. Im US-Store ist das viel besser. Ich gehe davon aus, dass Apple mittelfristig die Preise für das Apple TV drastisch senken wird, sobald das Angebot des Stores weiter ausgebaut ist, ähnlich wie es in den USA der Fall war. Ich nutze das Verleihangebot sehr gerne, wenn man ein halbwegs aktueller Film dabei ist. Kopierschutz ist bei ausgeliehenen Filmen absolut angebracht, bei DSL 16000 kann man die Filme quasi streamen (man kann nach ca. 50 MB Download den Film starten), und der Download wird nach Ablauf der Zeit wieder autoatisch gelöscht.

    Übrigens hab ich für den Zweck einen mac mini am LCD hängen – denn das Apple TV kann mir für den Preis einfach zu wenig…

    Langfristig sehe ich den iTunes Movie Store echte Konkurrenz zur Videothek um die Ecke. Man hat Rezensionen, Trailer, etc. sofort parat. Und: man muss nicht aus dem Haus, wenns regnet ;)

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